Freitag, 22. August 2014

Der Samurai, der nach Kirschblüten duftet - Yoshino


"Kirschblüten fallen,
der Samurai hebt den Blick,
verschwunden in Pink" -

Nach einer kleinen Einleitung durch ein Amateur-Haiku-Gedicht meiner Person, will ich von meiner letzten tollen Hanami-Erfahrung berichten. Hierfür fuhr ich diesmal in einer kleineren Gemeinschaft zum Berg Yoshino (吉野山) in der Nara-Präfektur (奈良県).
Während  meine ersten Hanami stets in der Stadt oder der Uni stattfanden, sollen diesmal die natürlichen Sakura-Bäume in den Vordergrund gerückt werden. Yoshino ist dafür nicht nur bestens geeignet weil man an seinen Hängen die größte Vielfalt an Kirschblütenbäumen in ganz Japan sehen kann, sondern es wird auch als einer der schönsten, wenn nicht gar der schönste, Plätze zur Hanami-Zeit gehandelt. Nach dem aktuellen Kirschblütenreport, und ja, es gibt ganz offizielle Wetterberichte einzig für Kirschblüten, lagen wir knapp hinter der vollen Blüte. Ein wenig nachteilig war ein Unwetter einige Tage zuvor, durch welches ein Teil der Blüten bereits hinfort gewaschen wurde. Nichts desto trotz: Auf gehts in ein Meer aus Pink, Weiß und alles Farben die noch dazwischen liegen.

Angekommen in Yoshino hat man die Möglichkeit mit der Seilbahn bis zur Bergspitze zu fahren. Dadurch hat man natürlich einen guten Ausblick auf die Blütenpracht von oben, allerdings verpasst man dann die kleinen Kirschblütenwunder auf dem Weg, wenn man zu Fuß geht.
Ich will nicht lügen, uns war die Warteschlange einfach zu lang.

Einige Spätblüher

Die erste Aussicht sieht schonmal vielversprechend aus ... ich rede von den Sakura


So einiges an Frühjahrsblüten mischen sich auch mal unter die Sakura
Auf dem Gipfel dann benötigt man kein Matsuri wie in Tsu, denn das ganze Dorf hat sich völlig dem Kirschblüten Thema gewidmet. So gibt es viele Süßigkeiten in rosa und mit "Sakura-Geschmack", welcher dem von Luft recht ähnlich ist, Alkohol und andere Getränke mit Kirschblütenemblemen und selbst die Nudeln wurden auf einmal pink.
Restaurants, Getränkestände und natürlich der Andekenvertrieb haben sich alle auf diese Zeit eingerichtet und da Yoshino zu anderen Zeiten nicht als "schönster Ort in ganz Japan" gilt, wird natürlich alles rausgehauen was geht.
In der Tat schmeckten die Sakura-Nudeln ein wenig besser als sonst, aber ich schiebe das mehr auf die Qualität des Etablissements.

Keine Sorge, es gibt auch Aussichten ohne störendes Gekabel
Unserem Pfad folgend fanden wir ein Ritual bei dem Kiefernäste verbrannt wurden. Dies sorgte für eine Unmenge an Qualm bis das Grün endlich verbrannt war und der ganze Platz um den Tempel herum wirkte recht verräuchert. Wobei es hierbei genau ging habe ich leider nicht erfahren, aber wenn ich sage dass es in irgendeiner Weise Glück oder Segen bringen soll, liege ich mit Sicherheit nicht falsch. Aus dem Tempel, zu dem man jedoch Eintrtt zahlen müsste, drangen ebenfalls einige Geräusche die man nur zu bestimmten zeremoniellen Anlässen hört.
Der Kinpusenji (金峯山寺)




Ein schönes Bild, aber unser Weg führt nicht hier lang


Kirschblütenbäume inmitten des Waldes

Sogar das Toilettenpapier ist rose gefärbt. Also irgendwo muss doch mal Schluss sein


Und nach ein oder zwei Abzweigungen kommen wir endlich zu dem vermeintlich beliebtesten Spot auf dem Yoshino. Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, schließlich gibt es noch einige andere Routen, aber der enorme Menschenandrang und die Präsenz des Regional- (vielleicht war es auch das nationale, so genau schaue ich da nicht hin)-Fernsehens. Hier kam ich übrigens das erste, aber lange nicht das letzte, Mal ins Fernsehen. Denn was macht sich besser als Werbung wenn man einen waschechten Ausländer vor die Linse bekommt? Meine französische Begleiterin hat sich derweil schön im Hintergrund gehalten.


Eines der bekannteren Motive Yoshinos
Anschließend zog es uns weiter und wir fanden ein Haus das zugleich als kleines Museum, Schauspielbühne und Aussichtspunkt zu fungieren schien. Es gab allerhand Informationen zum Kaiser Go-Daigo, der eine enge Verbindung zu Yoshino hatte und man hatte unseren bisherigen Weg sowie den Kinpusenji im Blick.



Ich weiß nicht mehr ganz genau wie es funktioniert, aber man stellt sich auf den Stern und zeichnet dabei das Gitter rechts unten in die Luft. Dabei ruft man bei jedem Strich eine bestimmte Zeile. Ich meine es handelte sich dabei um eine Art Zauberspruch.

Sakura-Reis-Süßigkeit in einem Brennesselblatt gewickelt
Und wenn ihr euch noch nicht satt gesehen habt, hier noch ein letztes Sakura-Motiv!

Aufgrund vieler bereits oder noch sehr kahler Bäume hätte ich mir zwar auch schönere Bilder vorstellen können, aber der besuch hierher hat sich auf jeden Fall gelohnt. Im Besonderen stellte dieser Ausflug einen schönen Kontrast zu den anderen Hanami dar und ich denke wenn es um die Kirschblüten geht, so hat mir Yoshino definitiv am besten gefallen.

Wer übrigens Interesse daran hat die Blüten ein paar Tage zuvor zu sehen und Yoshinoyama aus einigen anderen Perspektiven sehen möchte, den verweise ich auf den Beitrag meiner Blogger-Kollegin.

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